Die Kristallglashütte ,,Julia‘’ in Piechowice (Petersdorf)

Glashüttenindustrie im Flusstal Kamienna hat eine Geschichte, die mindestens bis XIV Jahrhundert zurückreicht. Auf XIV – XV Jahrhundert sind archäologische Funde nach der alten Glashütte gelegen in Piechowice – Ruhiges Tal datiert. Über nächste Jahrhunderte funktionierten in Piechowice kleine Glasverarbeitungsbetriebe; Gravierungsbetriebe und Glasmalereien, die aus naheliegenden Glashütten in Szklarska Poręba (Schreiberhau) und aus Tschechien stammenden Halberzeugnisse nutzten. 1960 wurde hier eine mit Wasserkraft angetriebene Glasschleiferei und Edelsteinschleiferei gebaut, was im Stadtwappen von Piechowice eine Wiederspiegelung fand, er stellt ein Wasserrad dar. 1862 kaufte Friedrich Wilhelm Heckert von Benjamin Matterne eine am Fluss Kamienna liegende ,,Felsenmühle’’, die eine Glasschleiferei war. Auf der Parzelle setzte 1866 Fritz Heckert eine Glasverzierungsfabrik in Betrieb und 1889 entsteht hier eine Glashütte. Die Zuführung der Eisenbahnlinie aus Jelenia Góra nach Piechowice und der weitere Ausbau der Bahnstrecke kurbelte die Produktion von hiesigem Glas an. Einer großen Popularität erfreuten sich damals Gläser mit Motiven aus der Geschichte, insbesondere solche, die antike und altdeutsche Muster nachahmten. Den Ruhm von Fritz Heckert festigten gebeizte, vergoldete und mit transparentem Emaillack bemalte Gläser mit einem aus indischer Provinz Jodphur stammendem Design.
In der Sezessionszeit fingen Erzeugnisse aus der Hüte von Heckert an sich den künstlerischen Voraussetzungen des Jugendstils zu unterordnen. Die hier produzierten
Gläser zeichneten sich durch reiche malerische Verzierung aus, die mit Irisieren und mit Vergoldung verbunden war, das Kolorit wurde intensiver und bildete ausdruckstarken Hintergrund für stilisierte Pflanzenmalereien. Die Wirtschaftskrise und Inflation nach erstem Weltkrieg verursachen, dass sich am 8. November 1923 die ,,Josephinenhütte’’ aus Szklarska Poręba (Schreiberhau), Glaswerke in Sobieszów und die Hütte von Heckert in Piechowice zusammenschlossen, sie bildeten eine Aktiengesellschaft mit Namen ,,Josephinenhütte- Heckert- Kynast Kristallwerke A.G.’’ (Abkürzung Jo-He-Ky). Zum Sitz der Gesellschaft wurde Piechowice gewählt und die seit 1925 zusammengeschlossene Werke funktionierten unter gemeinsamen Namen ,,Josephinenhütte’. Nach Jahren der deutschen Wirtschaftskrise in zwanziger Jahren zum Hauptprodukt der Petersdorfer Hütte wurde hochqualitatives Kristallglas in Stilistik art deco. Es entstanden damals moderne Getränkeservicesorten, Kristallglasdessertsätze oder Weinglassätze oder Schnaps-glassätze. Nach dem II Weltkrieg stellte die Petersdorfer Hütte vorübergehend ihre Arbeit ein. Im Juli 1949

wurde ein Glaskombinat gegründet, nach Anschluss zwei Kristallglasschleifereien in Piechowice und in Sobieszów, die zu Filialen der Glashütte in Szklarska Poręba wurden.
Offizieller Name des Unternehmens klang: Jeleniogórskie Zjednoczone Zakłady Szklarskie, przedsiębiorstwo państwowe wyodrębnione, Huta i Szlifiernia Szkła Kryształowego ,,Józefina’’ in Szklarska Poręba z Oddziałami w Piechowicach i Sobieszowie (Jeleniogórskie Vereinigte Glaswerke, getrenntes staatliches Unternehmen, Kristallglashütte und Kristallglasschleiferei ,,Józefina’’ in Szklarska Poręba mit Niederlassungen in Piechowice und in Sobieszów). 1956 wurde in Piechowice eine Glashütte in Betrieb gesetzt, die samt hiesiger Glasschleiferei weiterhin der Glashütte in Szklarska Poręba untergeordnet war, jedoch unter geändertem Namen als Kristallglashütte ,,Julia’’.
Nach misslungener Privatisierung des Betriebs, die Anfang neunziger Jahre des XX Jahrhunderts durchgeführt wurde verringerte sich die Produktion der Werke der Glashütte ,,Julia’’ in Szklarska Poręba und in Piechowice erheblich.
Zur Zeit wurde die Glashütte in Szklarska Poręba geschlossen und die Hütte in Piechowice nutzt nur geringen Teil ihrer Möglichkeiten aus. Es besteht der Zeit eine Möglichkeit der Betriebsbesichtigung und sich vor Ort mit technologischen Produktionsprozessen von Kristallglas vertraut zu machen.

Mehr Informationen:
www.crystaljulia.com

Bearbeitet von: Dr. Przemysław Wiater
Übersetzung: Jerzy Kuśnierz

LITERATUR:
Kwaśny Z., Hutnictwo szkła na Śląsku w latach 1750 - 1850 [w:] „Studia i materiały do dziejów Śląska”, Wrocław 1973, s.103 - 179
Liebich C., Werden und Wechsen von Petersdorf im Riesengebirge, Würzburg 1961
Seydel H., Die deutschen Glasshütten im Riesen- und Isergebirge [w:] Schlesien, ein Heimatsbuch, p.red. W. Müller-Eberhart, Leipzig 1923
Wiater P., Początki hutnictwa szkła w dolinie rzeki Kamiennej w świetle literatury [w:] "Rocznik Jeleniogórski" 1999, s.105-115
Żelasko S., Graflich Schaffgotsch‘sche Josephinenhütte. Kunstglasfabrik in Schreiberhau und Franz Pohl 1842-1900, Passau, 2005

 

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