Altstadtbrücke und Mühlenkomplex (Mühlanlage) in Zgorzelec

Im Mittelalter dienten Wasserräder, die mit Wasserkraft bewegt wurden zum Antrieb der Getreidemühlen; der Walkmaschinen für Tuchproduktion; der Hämmer und Blasebälge in Schmieden; der Sägen in Sägewerken und auch zum Bewegen der Wasserpumpen zum Wassertransport – s.g. ,,Kunstwerke‘’. In Polen erschienen Wassermühlenräder im XII Jahrhundert, sie wurden frühestens in Schlesien und Pommern seit XIII Jahrhundert populär. Zgorzelec (damals deutsches Gorliz, später Görlitz) bekam Stadtrechte ca. 1220. Die Mühle auf rechtem Ufer der Lausitzer Neiße nahe der Furt am Fluss entstand in Zeiten der Stadtgründung. Erste Notiz über die Mühle stammt aus 1273. Der Eigentümer der Mühle war Krankenhaus des Heiligen Geistes. Die Mühle wurde Dreiradenmühle genannt, auf linkem Ufer dagegen funktionierte Vierradenmühle. Beide Mühlen und Flussufer zugleich wurden mit einer Holzbrücke verbunden, die 1298 erwähnt wurde. Es war jahrelang einzige Brücke innerhalb der Stadt über die ein Handelsweg Via Regia (Königlicher Weg) führte. Auf rechtem Ufer wurde 1566 ein Brückenturm gebaut, an dem eine kleine Siedlung entstand. Drei Wasserräder ermöglichten, dass jedes der Räder für eine andere Funktion genutzt werden konnte. Aus der Geschichte erfahren wir, dass die Mühle unter anderen von Gerbern (s.g. Weißledergerber d.h. für Fertigung edler Ledersorten) sowie als Walkmaschine für Tuchproduktion von flämischen Handwerkern genutzt wurde. Görlitzer Tücher von guter Qualität wurden in ganz Europa über 300 Jahre verkauft. Man kann vermuten, dass eins der Wasserräder als Getreidemühle für Mehl und Grützenproduktion genutzt wurde. 1562 verursachte Hochwasser so große Schäden, dass es notwendig war neue Anlagen von Grund auf zu bauen. Die Arbeiten dauerten fast 20 Jahre. Das nächste Hochwasser im Jahre 1595 richtete erneut Schäden an der Mühle an so dass, es wieder notwendig war eine weitere Renovierung durchzuführen. Während des dreißigjährigen Krieges 1941 bei der Stadtbelagerung vom sächsischen Kurfürsten Jan Jerzy I wurde die Mühle erneut beschädigt, weil sie außerhalb der Stadtmauer lag. Der nächste Umbau war 1710 und die Mühle war dann 1925 restlos abgebrannt. Der bis heute erhaltene Bau der Mühle stammt aus 30-er Jahren des  XX  Jahrhunderts. Es  ist ein  reigeschossiges  Gebäude

 und ein fünfgeschossiger Speicher,der 1938 gebaut wurde. Nebenan steht ein Wohngebäude von 1927, alter Gasthof mit Stall. Die ,,Altstadtbrücke’’ wurde von deutschen Nazitruppen, die im Rückzug waren im Mai 1945 gesprengt. 1997 wurde inder Dreiradenmühle ein Restaurant und eine Galerie ,,Piwnica Staromiejska’’ (Altstadtkeller) eröffnet.

www.piwnica.staromiejska.zgorzelec.pl/historia.html.

Das Objekt befindet sich in Zgorzelec in der Wrocławska Straße 1. Ein ungewöhnlicher Gast des Kellers war Nicolas Cage- amerikanischer Schauspieler. Wie die Zeitung ,,Gazeta Wrocławska’’ brachte: am 9. Januar 2006 aß Cage eine Hühnersuppe, Hering, Teigtaschen (ruskie pierogi) und Schweineschnitzel mit Kraut. An Wänden des Speichers entstand ein monumentales Relief ,,WAZA’’ (Vase) - ein künstlerisches Bildnis des Vereinigten Europas. Es ist ein Werk von einem in Polen wohnhaften Armenier Van Bego und von einem Polen Michał Bulak – es wird eine Vision einer vom Boden herausgewachsener Frau dargestellt, die Idee entstehender Gemeinschaft zwischen den Städten Zgorzelec und Görlitz symbolisiert. Das Relief wurde am 5. Mai 1998 enthüllt. Es ist von beiden Flussufern sichtbares buntes Relief mit der Fläche 100 m 2, 17 m hoch aus keramischen Platten gefertigt, die vom Keramikwerk ,,Przyborsk’’ aus naheliegendem Gierałtów stammen. Eine interessante Initiative der Restauratoren von beiden Seiten der Grenze und des Flusses war Errichten einer provisorischen Holzbrücke an der historischen Stelle der Altstadtbrücke im Jahr 2002, wo am 30. August den Bewohnern von Zgorzelec und Görlitz eine ,,Schustersauermehlsuppe’’ anlässlich Jakobfestes serviert wurde. Die neue Altstadtbrücke wurde innerhalb von 18 Monaten (2.04.2003- 20.10.2004) für 2,6 Millionen Euro errichtet. Sie hat 79,84 m Spannweite und 8,5 m Breite. Durch die Altstadtbrücke führt der Weg Via sacra und der Weg des Heiligen Jakobs nach Santiago de Compostela, sowie ein Radweg ER – 4 Dresden- Wrocław.

www.moststaromiejski.com

Bearbeitet von: Andrzej Mateusiak
Übersetzung: Jerzy Kuśnierz

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